
Wenn wir uns auch sonst nicht mit vollmundigen Versprechen zurückhalten, wenn es darum geht, unseren Enthusiasmus zur Schau zu tragen, so können wir heute doch ernsthaft das nächste große Ding (welch blöder Ausdruck) ankündigen. Das haben wir vielleicht schon oft behauptet, aber diesmal sind wir uns sicher. Es geht um Helena Arlock und ihrer EP “Old Dirty Hound”, die am 1.4. Digital Release hat (so steht es auf der Homepage) und die wir schon auf einem Konzert in Dortmund erstehen konnten.
Helena Arlock kommt aus Schweden, spielt vorrangig Cello, sieht Natalie Dormer nicht unähnlich, macht fabelhafte Musik und ist nebenbei auch noch Designerin von allem, was man designen kann .
6 Lieder umfasst die EP und sie kommt in einem Pappschuber, so wie er von Musikmagazinen genutzt wird. Referenzen in den Raum zu werfen fällt schwer und das kann man auch durchaus als Lob verstehen. Denn wer erwartet, dass aus einem Pappschuber auch Pappschubermusik kommt, wird schrecklich enttäuscht werden. Denn der Sound ist nicht Demo-schnell - mal - zu - Hause - in - 10 - Minuten - bevor - die - Post - schließt aufgenommen, sondern er wurde in einem Helsinkinger Studio liebevoll zusammengezimmert und das zahlt sich auch aus. Die ganze Bandbreite von groß angelegten Popstücken wie “Pink Bubbles” und minimalistischen Balladen wie “You could much rather push than pull” wird abgedeckt. Im Bezug auf die Instrumentierung ist neben der wirklichen Expertise der Musiker auch die Instrumentenwahl sehr vorteilhaft. Durch das Cello der Sängerin und den Kontrabass wird den Stücken eine seichte Jazznote eingehaucht. Während des Hörens der Lieder fallen mir alle 5 Sekunden Referenzen ein, die in den darauffolgenden 10 Sekunden aber durch ganz andere abgelöst werden. Nach Joana Newsom kommt diese andere schwedische Band mit 2 Sängerinnen, deren Name ich gerade nicht parat habe und die wahrscheinlich gar nicht so klingen (was ihnen nur nachteilig sein kann) und zum Schluss kommt Herr Nilsson. Alles passt nur so halb, aber alles ist positiv zu verstehen. Kurzum ist diese EP einfach richtig gut, auch wenn das jetzt sehr pathetisch klingen mag. “This is Swedish Indie Pop at its finest” steht auf der Homepage von Helena Arlock und ich möchte mich dem einfach anschließen.
Helena Arlock ist eine der besten Sängerinnen der letzten Jahre und hoffen wir doch, dass ihr Erfolg zumindest so weit reicht, dass der EP möglichst schnell ein ganzes Album folgt. Spätestens dann sollte sie in der Werbung für Apple Produkte zu hören sein. Und wenns ganz gut läuft, können auch Vorabendseriengucker in den Genuß ihrer Musik kommen. Potenzial hat sie jedenfalls und vielleicht können wir in 10 Jahren mit Fug und Recht behaupten, alles vorhergesehen zu haben.
Helena Arlock - Old Dirty Hound
Red Olive, 2009



