
Wenn wir uns auch sonst nicht mit vollmundigen Versprechen zurückhalten, wenn es darum geht, unseren Enthusiasmus zur Schau zu tragen, so können wir heute doch ernsthaft das nächste große Ding (welch blöder Ausdruck) ankündigen. Das haben wir vielleicht schon oft behauptet, aber diesmal sind wir uns sicher. Es geht um Helena Arlock und ihrer EP "Old Dirty Hound", die am 1.4. Digital Release hat (so steht es auf der Homepage) und die wir schon auf einem Konzert in Dortmund erstehen konnten.
Helena Arlock kommt aus Schweden, spielt vorrangig Cello, sieht Natalie Dormer nicht unähnlich, macht fabelhafte Musik und ist nebenbei auch noch Designerin von allem, was man designen kann .
6 Lieder umfasst die EP und sie kommt in einem Pappschuber, so wie er von Musikmagazinen genutzt wird. Referenzen in den Raum zu werfen fällt schwer und das kann man auch durchaus als Lob verstehen. Denn wer erwartet, dass aus einem Pappschuber auch Pappschubermusik kommt, wird schrecklich enttäuscht werden. Denn der Sound ist nicht Demo-schnell - mal - zu - Hause - in - 10 ...

Will ich nun auch mal meinen Beitrag zum Relaunch des TJJs leisten und einen Artikel über Simon Bookish (der nicht Sir Simon Bookish heißt, wie ich immer (in Anlehnung an Sir Simon Battle (und nicht Rattle)) denke) und sein Album: "Everything / Everything" schreiben.
1. Jemand, der auf dem Cover ein Periodensystem der Elemente hat, kann kein schlechter Künstler sein. Der erste verkorkste Interpretationsansatz lautet: Everything und Chemie - das passt wie die Faust aufs Auge.
2. Jegliches Vorurteil über Menschen, die sich mit einem PSE ablichten lassen, wird durch Simon Bookish erfüllt.
3. Die Musik ist dennoch nicht elektronisch, sondern zu aller Überraschung sogar mit Trompeten, Geigen und dem anderen Kram, den man bei Sir Simon Rattle leihen kann, arrangiert.
4. Dennoch ist vorrangig auf die Texte zu achten, denn sie sind voll mit den wunderbarsten Metaphern.
5. Das beste Lied der Platte ist eindeutig: "Carbon", die Nummer Vier, die dem wichtigsten aller Elemente fröhnt und eine wunderbare Metapher für einen Austausch von Körperflüssigkeiten enthält (Anders kann ich zumindest "show me your sweet sweet DNA nicht erklären"). Außerdem klingt der Anfang, als hätte jemand eine Melodie mit dem Gameboy geschrieben.
6. Wo wurde schonmal ...

Ich bin froh zu Beginn der Rezension dieses wunderbaren Albums nicht sagen zu müssen: "Entanglements ist [...]". Simpler Indiepop? Classical Indie? Doch eher so in die Richtung Folk? Alles was ich sagen kann ist: Entanglements ist nicht kategorisierbar, nicht klassifizierbar, einfach nicht in eine Schublade zu stecken. Der Name des Albums sagt es ja bereits: es ist eine Verfilzung, Verknäulung, Verstrickung sämtlicher Genres, die man mit klassischen Instrumenten bedienen kann. Wie ein bunter Wollpulli zusammengestrickt aus gelber, roter, blauer, weißer und schwarzer Wolle.
Nichtsdestotrotz zeichnet sich das Album durch Abgeschlossenheit und Authentizität aus, hat einen großen Wiedererkennungswert. Während des Hörens kommen einem zwar immer wieder mal verschiedenste Referenzen in den Kopf - Arcade Fire oder Beirut zum Beispiel, keine aber passt 100%ig und würde dem, was da gerade passiert gerecht werden.
Entanglements ist ein Musical - es erzählt eine Geschichte, vorgetragen von Sänger Zac Pennington, die sich mit Erinnerung, Reflexion, Vergänglichkeit und sonstigen Tiefgründigkeiten beschäftigt. Opulent, aber trotzdem zurückhaltend genug, um das Vorgetragene für sich sprechen zu lassen, sind die einzelnen Songs instrumentiert.
Der gesamte Bombast von Streichern, Xylophon und Bläsern spielt keine führende, lediglich eine unterstützende Rolle. Und genau das ist es, was ...

Das TJJ hat neu: PeterLicht - Melancholie und Gesellschaft

Die lange Abwesenheit des TJJ hat weniger mit Faulheit als vielmehr mit Streß zu tun. Wir sind weder ertaubt noch verstummt und haben auch nicht unsere Liebe zur Musik verloren. Neu in der Zeit der Stille kam uns – und vor allen Dingen mir – das neue Album „Melancholie und Gesellschaft“ von PeterLicht zu Ohren.
Um es kurz zu machen: PeterLicht hat ein sehr, sehr gutes Album abgeliefert – das zu 90% aus exzellenten Liedern besteht.
Beim ersten Hören des Albums ist man zunächst überrascht über die Instrumentierung der Lieder. Statt einfachem Gitarren- und nicht so komplizierten Keyboardgespiele, sind auf dem neuem Album vor allen Dingen Klaviertöne anzutreffen. Passend dazu spielt häufig ein Streichquartett im Hintergrund. Die Melancholie im Titel hört man vor allen Dingen hier.
Die Gesellschaft sind dann doch im Text zu verorten. Wie schon bei „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ bekommt hier vor allen Dingen der Kapitalismus – und ganz besonders die Werbung – eins auf den Deckel.
Musikalisch entwickelt sich PeterLicht also immer mehr von Elektro zu Pop. Das macht das Album auch zu einem Album, welches man sich zu ...